Die Hamburg European Open sind das größte Tennisturnier in Norddeutschland und eines von nur zwei ATP-500-Events in Deutschland — das andere findet auf Rasen in Halle statt. Der Spielplan 2026 führt erneut an den Rothenbaum, wo seit über 110 Jahren professionelles Tennis gespielt wird — eine Tradition, die Hamburg zu einem der geschichtsträchtigsten Turnierstandorte Europas macht. Das Turnier fällt in die europäische Sandplatzsaison und zieht regelmäßig Spieler an, die zwischen den Masters in Madrid und Rom und dem Beginn der Rasensaison noch Matchpraxis auf Sand suchen. Für Tennisfans in Deutschland ist das Turnier am Rothenbaum oft der zugänglichste Weg, Weltklasse-Tennis live zu erleben, ohne ins Ausland reisen zu müssen.
Peter Mayer, Mitglied des DTB-Vorstands, betonte die Bedeutung der regionalen Verankerung des deutschen Tennis. Tennis wachse in allen Teilen Deutschlands, und die Vereinsstrukturen fänden Antworten auf die Bedürfnisse der nächsten Generationen — im Süden wie im Norden, in der Stadt wie auf dem Land. Hamburg als Turnierstandort verkörpert genau diese Mischung: internationaler Spitzensport in einer Stadt, die sich auch als Vereinstennis-Hochburg versteht.
Hamburg European Open: Turnier-Profil und Sandplatz-Wetten
Die Hamburg European Open gehören zur Kategorie ATP 500 — der zweithöchsten Turnierstufe nach den Masters 1000 und den Grand Slams. Ein Titelgewinn bringt 500 Ranglistenpunkte, der Finalist erhält 300, ein Halbfinalist 180. Das Turnier ist eines von acht professionellen ATP- und WTA-Events in Deutschland und genießt unter Spielern einen guten Ruf, weil die Organisation stimmt, das Publikum engagiert ist und die Anlage am Rothenbaum einen besonderen Charme bietet.
Als ATP-500-Turnier profitiert Hamburg vom Bonus Pool der ATP, der 2026 insgesamt 3,07 Millionen US-Dollar umfasst und Spieler belohnt, die bei mehreren 500er-Events konstant gute Ergebnisse zeigen. Gespielt wird auf Sand — dem Belag, der in Hamburg Tradition hat und der dem Turnier seinen Charakter gibt. Die europäische Sandplatzsaison ist der natürliche Rahmen für das Hamburger Event, das typischerweise in den Sommermonaten nach Roland Garros und vor der Rasensaison stattfindet.
Eine Besonderheit der Hamburg European Open betrifft die TV-Rechte: Das Turnier gehört nicht zum exklusiven Sky-Paket, das die Mehrheit der ATP-Turniere abdeckt. Stattdessen verfügt Hamburg über eigenständige Übertragungsvereinbarungen, was bedeutet, dass das Turnier gelegentlich auf anderen Sendern oder Plattformen zu sehen ist — ein Vorteil für Fans ohne Sky-Abo.
Spielplan 2026
Das Turnier erstreckt sich über eine Woche und folgt dem Standard-ATP-500-Format. Die Qualifikation findet am Wochenende vor dem Hauptfeld statt, typischerweise mit 16 Spielern, die in zwei Runden um vier Hauptfeldplätze kämpfen. Das Hauptfeld umfasst 32 Spieler im Einzel und 16 Teams im Doppel.
Die ersten beiden Runden verteilen sich auf Montag bis Mittwoch, die Viertelfinale werden am Donnerstag und Freitag ausgetragen. Samstag gehört den Halbfinals, Sonntag dem Finale. Die Matches auf dem Centre Court Am Rothenbaum beginnen üblicherweise am frühen Nachmittag, mit einer Night Session gegen Abend an den Haupttagen. Das kompakte Format eines ATP-500-Turniers hat den Vorteil, dass die Entscheidungsphasen schnell kommen: Vom Erstrundenmatch bis zum Finale vergehen nur sechs Tage.
Die Setzliste hängt von den Ranglistenpositionen zum Zeitpunkt der Auslosung ab. Als ATP 500 zieht Hamburg regelmäßig Spieler aus den Top 20 an, ergänzt durch Wildcards, die der Veranstalter an deutsche Spieler und lokale Talente vergibt. In den vergangenen Jahren standen wiederholt Top-10-Spieler im Hamburger Hauptfeld, darunter Alexander Zverev, der das Turnier als gebürtiger Hamburger als Heimspiel betrachtet. Für Nachwuchsspieler aus dem Hamburger Raum ist eine Wildcard für die Qualifikation die Eintrittskarte in die Welt des Profitennis — ein Erlebnis, das die Karriere nachhaltig prägen kann. Das Doppelturnier mit 16 Teams läuft parallel zum Einzel und bietet auf den Nebenplätzen oft die unterhaltsamsten Matches des Tages.
Anreise-Tipps
Der Rothenbaum liegt zentral im Hamburger Stadtteil Harvestehude, zwischen der Alster und dem Stadtteil Eimsbüttel. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist exzellent: Die U-Bahn-Station Hallerstraße (Linie U1) liegt nur wenige Gehminuten von der Anlage entfernt, ebenso die Buslinien 34 und 115. Wer mit dem Auto anreist, sollte sich auf eingeschränkte Parkmöglichkeiten einstellen — die umliegenden Wohnstraßen sind während des Turniers stark frequentiert, und die Anlage verfügt über keinen eigenen Besucherparkplatz.
Hotels in Turniernähe sind während der Turnierwoche oft ausgebucht, besonders die gehobenen Häuser an der Alster. Wer frühzeitig bucht, findet in den Stadtteilen Eimsbüttel, Rotherbaum und Eppendorf gute Optionen in Gehweite. Alternativ bieten die Stadtteile Altona und St. Pauli preisgünstigere Unterkünfte, die über die S-Bahn oder den Bus in 15 bis 20 Minuten erreichbar sind. Für Besucher, die aus anderen Städten anreisen, bietet sich die Kombination aus Turniertag und Hamburg-Aufenthalt an: Der Stadtteil rund um den Rothenbaum ist einer der attraktivsten Hamburgs, mit Restaurants, Cafés und dem Alsterufer in unmittelbarer Nähe.
Die Gastronomie auf dem Turniergelände ist solide, aber wie bei den meisten Sportveranstaltungen preislich über dem Straßenniveau — ein Mittagessen vorab im Grindelviertel ist die wirtschaftlichere Alternative. Der Hamburger Hauptbahnhof ist mit der U1 in wenigen Minuten erreichbar, was die Anreise per Fernzug unkompliziert macht. Für Tagesbesucher aus dem Hamburger Umland empfiehlt sich das HVV-Tagesticket, das die An- und Abreise per U-Bahn und Bus abdeckt und günstiger ist als separate Einzelfahrten.
Geschichte am Rothenbaum
Tennis wird am Hamburger Rothenbaum seit 1892 gespielt, was den Standort zu einem der ältesten Tennisanlagen Europas macht. Das erste internationale Turnier fand 1892 statt, und seitdem hat der Rothenbaum eine Geschichte erlebt, die den Wandel des Tennissports selbst widerspiegelt — von einem Freizeitsport der Oberschicht über die Professionalisierung in den 1960er Jahren bis zur heutigen Millionen-Dollar-Industrie.
Das Turnier war viele Jahrzehnte lang ein fester Bestandteil der Masters-Serie und galt als eines der prestigeträchtigsten Sandplatz-Events der Welt. Boris Becker, Michael Stich, Roger Federer und Rafael Nadal stehen auf der Siegerliste — ein Who’s Who des Tennissports, das die historische Bedeutung des Standorts unterstreicht. 2009 verlor Hamburg den Masters-Status und wurde zum ATP 500 herabgestuft — eine schmerzhafte Entscheidung, die mit der Neuordnung des ATP-Kalenders zusammenhing. Die Stadt und der Veranstalter haben den Statusverlust jedoch kompensiert: Das Turnier hat seinen Charakter bewahrt, die Zuschauerzahlen stabilisiert und sich als eines der beliebtesten ATP-500-Events der Tour positioniert.
Die Anlage Am Rothenbaum wurde 1997 grundlegend modernisiert und verfügt heute über einen Centre Court mit rund 10 000 Plätzen und einer Dachkonstruktion, die bei Regen geschlossen werden kann. Neben dem Hauptplatz gibt es mehrere Nebenplätze, auf denen in den ersten Turniertagen parallel gespielt wird und die für Ground-Pass-Inhaber frei zugänglich sind. Die Nähe zur Hamburger Innenstadt, die parkähnliche Umgebung und die Geschichte des Standorts geben dem Turnier eine Atmosphäre, die sich von den meisten anderen ATP-Events unterscheidet — weniger steril als moderne Multifunktionsarenen, dafür mit einem Charme, der nur durch Jahrzehnte gewachsen sein kann. Wer einmal bei Sonnenschein auf der Tribüne am Rothenbaum gesessen und das Ziegelmehl auf dem Platz glitzern gesehen hat, versteht, warum dieses Turnier für viele Hamburger zum festen Sommerkalender gehört.
